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Nachgedacht

Im Ungleichgewicht besteht für  Kinder das Motiv ihres Strebens und Erlernens. Und wie begegnet ein Trader einem Ungleichgewicht ofstmals …? – Eine spannde Frage
 

Wären Kinder die besseren Trader…?!

Michael Voigt geht der Frage nach, ob ein Trader bereits >Erfahrung sammelt< nur weil er am >Spiel der Spiele< vor den Monitoren teilnimmt. Michael Voigt ist Berufshändler und Autor der Bestseller Das Große Buch der Markttechnik und dessen achtteilige Forsetzung DER HÄNDLER. 

Wie viele Berufe beherbergt eigentlich ihre Stadt?  

Hunderte? Tausende?

… Ärzte, Fischer, Schaffner, Kellner, Tischler, Köche, Bauern, Elektriker, Designer, Hausverwalter, Gärtner, Taxifahrer, Verkäufer, Studenten, Reiseleiter, Friseure, Krankenschwestern, Restaurantbesitzer …

Hmmm … – Aber mal abgesehen von der genauen Anzahl; interessant ist: So unterschiedlich deren Bestimmungen im Einzelnen auch sein mochten – eines haben die Menschen aller Berufsgruppen gemeinsam: dass sie sich als Erfahrende durch die Ent-täuschung am ihnen vormals fremden Gegenstand ihres Berufs über die Jahre über ihre anfängliche Täuschung bewusst wurden, die sie bis zu dieser Ent-täuschung für eine richtige Annahme über die Wirklichkeit gehalten hatten. Genau dies haben der tapfere Polizist mit dem mutigen Kosmonaut und jener wiederum mit der fleißigen Küchenhilfe und diese mit den Angehörigen aller anderen Hunderten oder Tausenden einer Berufsgruppe gemeinsam. Demnach haben alle diese Menschen auch gemeinsam, dass diese alte Annahme in ihrem Erfahrungshorizont lediglich als eine durchgestrichene und nur in vereinzelten »Tagebuchaufzeichnungen« mitunter noch als unterstrichene Aufzeichnung enthalten blieb und dafür eine neue Erfahrung hinzutrat. 

Nunja, und wie ist das im Börsenhandel…?

Eine – an sich sicherlich nicht neue Botschaft – vorab: Es gibt neben dem Trading, nur sehr wenige Berufe, die diesen Prozess des »Sich-seiner-selbst-bewusst-Werdens« so schnell anschubsen, und in denen die »Negativität der Erfahrung« so eine enorm katalysierende Wirkung haben Das kann gewiss jeder fortgeschrittene und ein erfahrene Trader alle mal bestätigen.

Interesant ist aber folgendes: Blickt man zurück auf seine eigenen Tradinganfänge, so sieht man sich einst als Anfänger, wie man bei den Worten »Erfahrung sammeln … « innerlich immer lächeln und stöhnen musste, denn die Ansicht war, dass diese mahnend, … ja fast schon nervend vorgetragene … Begrifflichkeit einfach zu der maßlos übertriebenen Gruppe von sinnlos »geschwollenen Worten« im Trading gehörte. Man erinnerte sich nur zu gut seiner damaligen inneren Stimme – von der man viel zu lange gedacht hatte, es sei die Stimme des Scharfsinns, die einen zuflüsterte: »Long, short … ein Regelwerk … wo bitte ist das Problem?«

      Dieser Gedanke ähnelt mach Besuchern eines Hafens, wenn dieser die gelassener Geschicklichkeit eines Steuermannes bewundert: »–Ob ich das wohl auch könnte? Dem Aussehen nach zu urteilen, schien es ja recht einfach zu sein: Motor an und Ruder links, Ruder rechts!«

      Kurzum: Der Versuch, das »scheinbar« schnelle Erlernen des Bootfahrens mit dem »scheinbar« schnellen Erlernen des Tradings zu vergleichen: Ruder links – Ruder rechts … long hoch – short runter! – … konnte man das eine mit dem anderen vergleichen oder nicht? 

»Ruder links – Ruder rechts … long hoch short runter!«

Auf den ersten Blick sieht es durchaus so aus, als gäbe es Gemeinsamkeiten: Der Bootfahranfänger sieht sich nach kurzer Trockenübung mit dem Ruder in der Hand im Heck des Bootes sitzen und mit den Worten »Ruder links, Ruder rechts … « die Wellen des Flusses durchpflügen, während der Tradinganfänger sich, vor dem Ordermenü seines Papertrade-Kontos sitzend und mit den Worten »Aktie rauf – long, Aktie runter – short« auf der Maus rumklickend, die Ozeane der Börse, mit einem größtmöglichen Tradingkonto beladen, befahren sieht, und gemeinsam ist beiden daher der Gedanke »O-ookay, gar nicht so schwer … so, geh mal beiseite und lass mich mal ran, denn ich hab’s begriffen!«

Hmmm …

Aber so richtig, wie sich dieser Gedanke zwar anfühlt, empfindet man jedoch gleichzeitig jedoch als irgendwie noch unbefriedigend … und fängt man richtig zu grübeln an, fällt einen wie von selbst das fehlende Stück der Überlegung ein, das man mit einem undeutlichen Unbehagen vermisst hatte:Zwar haben Bootfahr- wie auch Tradinganfänger so gut wie keinerlei Erfahrung mit dem jeweiligen Thema, was, aufgrund der scheinbaren Einfachheit jeweils mit dem Gedanken einer sofortigen Meisterschaft im Kopf, den einen dazu verleitet, das Boot zu Wasser zu lassen und das Ruder zur Hand zu nehmen, und den anderen dazu bringt, ein scharfes Tradingkonto zu eröffnen und zur Maus zu greifen, doch gilt es zu erkennen, dass genau hierin der entscheidende Fehler der Gedankens besteht, denn: Setzte man mit diesem Vergleich erst dort an, wo sich die beiden Anfänger anschicken, sich den schaukelnden Wellen und den auf und ab tanzenden Charts auszusetzen und anzuvertrauen, übersieht man eine entscheidende Vorstufe, dienämlichfragt: »Wie kam denn der Tradinganfänger überhaupt vor die Charts und wie der Bootfahranfänger in das Boot?« 

 Die dreigeteilte Antwort liegt klar auf der Hand …

 Wenn die zahlreichen Werbebotschaften, die förmlich schrein »Trading ist einfach, mach schnell ein Konto auf!«, Erfolg haben, so kann heutzutage ein Tradinganfänger innerhalb kürzester Zeit überall auf der Welt ein Konto eröffnen und ohne jegliche Eignungsprüfung sofort loslegen. Beim Bootfahren sieht das – zumindest in westlichen Breiten – schon anders aus: Zwar ist es durchaus möglich, mit wenigen Mausklicks ein Boot fast beliebiger Größe zu erwerben, aber sowohl die Herbeischaffung eines so beschafften Bootes als auch dessen Inbetriebnahme ist in der Regel um ein Vielfaches aufwendiger als die Eröffnung eines Tradingkontos und dessen Ausstattung mit den notwendigen Barmitteln. Auch finden sich in etwaigen Fachzeitschriften keine Anzeigen der sinngemäßen Botschaft »Mit uns zum Kapitänspatent in nur zwei Stunden!«, denn selbst die für die kleinsten Bootsführerscheinklassen angebotenen Kurse umfassten üblicherweise bereits mehrere Tage, Prüfungen dabei nicht notwendigerweise mitgerechnet. Kurzum: Also geht da ganz generell und offiziell ohne vorherige Prüfung gar nichts, und sollte man dennoch der Meinung sein, dann riskierte man mitunter enorme Bußgelder!

Somit haben das Erlernen sowohl des Tradens als auch des Bootfahrens zwar auf den ersten Blick gemein, dass sowohl Erfahrung und Lernen in einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis stehen und dass bei beiden Grund und Lernen die Folge darstellt als auch die alleraller-»erste« Erfahrung jeweils selbst eine gewisse Vorerfahrung, eine Art Vorwegnahme, implizierte, welche in der Selbsteinschätzung meist fast deckungsgleich gelagert ist: 

»Trading … long, short … schon klar, wenn die Aktie steigt, drück ich auf long, fällt sie, drück ich auf short … W-o-o-o-o bitte ist das Problem?! Macht mal Platz, ich will meinen ersten Trade machen!«

 »Bootfahren … schon klar. Wenn die Kurve kommt, dann Ruder nach links, soll es stattdessen auf die andere Seite gehen, dann das Ruder nach rechts … W-o-o-o-o bitte ist das Problem?! Macht mal Platz, ich will meine erste Fahrt machen!«

Aber Moment, eine Abspaltung tritt auf…

Aber genau an dieser Stelle beginnt sich auch das Erlernen des Tradings vom Erlernen des Bootfahrens abzuspalten und zu unterscheiden. Denn aufgrund der bunten und aufdringlichen Werbung und im Zuge des leichten Kontozugangs sowie der nicht geforderten Prüfung ist es der Lauf der Dinge, dass ein Tradinglaie, im Gegensatz zum Bootslaien, in seiner Wahrnehmung oftmals zu vorschnellen Verallgemeinerungen neigen wird, deren Folge so aussehen, dass, anders als der Bootslaie, der Tradinglaie stets in auffallender Weise zur positiven Erfahrung tendiert, um dem plötzlichen Widerstreit mit der neuen Erfahrung zu entgehen.

Oder mit anderen Worten: Musste ein völliger Laie beim Bootfahren oder aber ein voreiliger Bootfahranfänger erst mal vom Seenotrettungsdienst aus einer brenzligen Situation gerettet werden, würde dieser zumindest vor sich selbst zugeben: »Shit … hätte ich doch nur die geforderte Prüfung gemacht!«, während manch Tradinganfänger seine »brenzligen Situationen« vorerst mit einem »Shit … halt kein Glück gehabt!« abtut, denn: Mangels amtlich gefordertem »Führerschein« bleibt diesem zur Orientierung nur die marktschreierisch bunte Werbung, »wie einfach das Trading sei!«. 

Einfach nur mal so theoretisch überlegt… 

Spannender Weise könnte man ja nun frage: »Wären Kinder vielleicht demnach gute oder sogar vorteilhaftere Trader? Könnte man einem kleinen Jungen oder Mädchen das Trading besser und schneller beibringen als einen Erwachsenen?« Spannend! An sich kann man diese Frage mit einen klaren »Ja« bescheiden, denn: Kinder haben es noch, jenes besondere kindliche Verstehen für das Lernen an Erfahrung. Oder anders gesagt: Die meisten Tradinganfänger sind ja nicht mehr Kind, sondern bereits »Erwachsener«, und somit »ermangelte« es ihm an jener ursprünglichen Erfahrung im Umgang mit dem Lernen, denn: Anders als ein Erwachsener könnte man bei Kinden meinen, dass sie vieles dennoch mit Begeisterung lernen, wofür ihnen aus Mangel an Erfahrung nichtsdestotrotz das volle Verständnis fehlte! So zählte zum beispielsweise meine Tochter einst mit drei Jahren beispielsweise stolz bis fünfzehn, auch wenn ihr einst aus Mangel an Erfahrung vorübergehend das volle Verständnis für dieses »drei, vier, acht, zehn, zwanzig«-Dingsda fehlte. Dennoch: Sie konnte es und fragte eben nicht: »ähm … Papa … warum soll ich das denn lernen?!«

Ein unhaltbares Gegenargument taucht auf …

So erscheint es naheliegend, dass Kinder sich hauptsächlich durch ihre Neugier – also ihre Gier nach Neuem, nach ihrem bisher Unbekannten – auf besondere Weise im Erfahren auszeichnete. Doch … Mo-Moment!               Das aufkommende »er-wachsene« Gegenargument, dass man sich doch auch mittels der vielen Bücher, Newsletter und Zeitungen im Lernen auszeichnet, konnte man nach ein wenig Nachdenken dann doch nicht gelten, denn wenn man ehrlich war ‒ und das ist hier Voraussetzung! ‒, sieht es doch oftmals so aus: Dieses »Studieren« entspringt oft weniger der Frage: »Wie funktionierte der Börsenhandel so ganz generell?«, sondern vielmehr der eher der (übertrieben gesprochen) »Faulheit« zugrunde liegenden Frage »Sag mir, was ich machen soll?«, und hierin liegt schon ein, wenn nicht der gewaltige Unterschied. Denn beim weiterem Nachdenken wird man sich schnell darüber klar, dass gerade durch die … mhm, wie sagt man es am treffensten? … Undogmatik die Erfahrung der Negation bei Kindern besonders greifen und diese daher theoretisch das Trading betreffend eine viel steilere Lernkurve haben würde als man selbst einst!

Oder anderen Worten; Die kleine Mädchen mit Zöpfen und Schokoeis auf dem T-Shirt, ist für das Trading-Erlernen, demnach die »Überwindung des Befangenseins« manifester Vorurteile à la »Ich dachte, so und so ist das …«, gerade mit ihrer kindlichen Wahrnehmung besonders prädestiniert. Kurzum: Das heißt, ein Kind lernte radikaler. Viel, viel radikaler!

Denn: Kind versucht, viel schneller und bewusster als ein, diesem Zustand bereits entwachsener »Erwachsener« ein Gleichgewicht zwischen dem eigenen Wissen und der neuen Erfahrung zu schaffen, womit in ihrem Gedankengebäude das Ungleichgewicht die Hauptantriebskraft ihrer Entwicklung darstellt!

Fazit

Betrachtet ein Trader seine eigenen Ausbildungsjahre rückwirkend (als Autor dieses Artikels schließe ich mich hier mit ein) dann müsste man es deutlich so formulieren konnte:  »ich dachte, ich hätte bereits >Erfahrung< nur weil ich am >Spiel der Spiele< teilnahm. Doch: sofern kein Handelstage umfassende Konsequenzen für den jeweils nachfolgenden Handelstag hat … hat man demnach keine »Er«-fahrung. Erfahrung im Trading, aus der kein Lernen folgt, ist in diesem Sinne keine Erfahrung! … oder anders, mit noch viel deutlicheren Worten: Während im Ungleichgewicht für die Kinder das Motiv ihres Strebens und Erlernens besteht, wird dieses Ungleichgewicht von vielen Tradinganfängern mit Demotivation, Lethargie, bewusstem >Wegschauen< von den Monitoren, Verluste aussitzen und einer Menge Kaffee und Schokolade begegnet …

 

Michael Voigt

 

 

 

 

 

 

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