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Nachgedacht

 Wie viele misslungenen Trades und mitunter die daraus resultierenden Probleme gehen wohl auf die Bereitschaft zum vorschnellen Reagieren und Handeln zurück? – spannende Frage.


…Labilität im Trading

Natürlich denken wir während der  Kontoeröffnung noch: unser Geist und unsere Emotionen sind gesund, weil unser Verstand einwandfrei funktioniert, zumal in unserer Zeit Menschen mit emotionalen, geistigen »Problemen« ja als »labil« bzw. als instabil gelten.

Aber: unsere Gedanken und unsere Emotionen als Trader sind in den ersten Monaten – mitunter Jahren – instabil. Starke geistige und emotionale Zustände, wie sie speziell das Trading eines Tradinganfängers hervorzubringen vermag, bringen einen Menschen sehr schnell aus dem Gleichgewicht, wenn sie auftauchen. Und genau diese Labilität gilt beim Trading u.a.  als Maßstab. – Es gilt das nicht damit zu verwechseln, dass wir »verrückt« sind, es heißt nur, dass wir der Macht unserer Gefühlszustände oftmals beim Trading scheinbar hilflos ausgeliefert sind. Daher erleben viele Trader Extremzustände, die sie eigentlich vermeiden wollen, das heißt: die Trades sind fachlich bizarr und ohne jegliche Logik und können im Nachhinein weder erklärt und schon gar nicht dupliziert werden. Ein instabiler Geist und somit ein instabiler Trader ist daher das größte Problem, mit dem wir an der Börse, speziell dem Trading, zu kämpfen haben. Schaffen wir es nicht die verschiedenen individuellen Auslöser deutlich zu erkennen, dann entsteht sehr schnell als Kettenreaktionen so einer Art Besessenheit oder emotionalen Heavy Trading: »…ich muss die Verluste sofort wieder rausholen!« Trade. Trade. Trade ...

Dass hierdurch mitunter das ganze Privatleben vollkommen durcheinander gerät, ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist die emotionale Spirale, die über eine eigene Dynamik verfügt und nicht aufhört, bis das Konto Null anzeigt. Oder mit anderen Worten: Wie viele der misslungenen Trades und mitunter die daraus resultierenden Probleme gehen auf die Bereitschaft zum vorschnellen Reagieren und Handeln zurück?

… Urschrei-Therapie?!

Vielleicht brauchen wir eine Urschrei-Therapie, möglichst noch in Kalifornien, dem Ursprungsort aller alternativen Therapien. Etwas Radikales, Drastisches. Das kann natürlich durchaus zutreffen, hat aber mit der Entscheidung für oder gegen das Trading überhaupt nichts zu tun. Es bedeutet eigentlich nur, dass wir durch das Trading neue Dimensionen unseres Verhaltens aufdecken. Trading bedeutet demnach nicht, dass wir immer in ruhiger See dahinsegeln. Manchmal geht es durchaus stürmisch zu, und es gilt dabei die verborgenen Gefahren zu umschiffen: Meinungen, Erwartungen, falsche Zielvorstellungen, vorschnelle Emotionen und vorallem: fachliche Defizite. Die Vorstellung, wir könnten uns vor dem Rechner setzen, schnell ein Tradingbuch lesen und dann wird alles wunderbar und erfolgreich, ist – gelinde gesagt – naiv und unrichtig, denn: Wenn wir traden, dann werden wir oftmals unser eigenes größtes Hindernis. Aber dies muss uns nicht vom Traden abbringen. Man kann mit allem arbeiten, also auch mit uns selbst. Das ist eine der Stärken eines Traders: Er lernt sich selbst zu analysieren, nimmt die Hindernisse auf und wandelt diese um. Je größer das Hindernis, umso größer ist auch die Gelegenheit, vorwärts zu kommen.

Kurzum, jeder Aufgabe hat die Aufgabe, jene eigenen Denkmuster und Grundgegebenheiten ausfindig machen, die dazu führen, das sein Geist vor den Monitoren in Unruhe versetzt wird, und dann gilt es sich mit diesen Mustern »anfreunden«, um diese genausten zu beobachten, damit sie einen nicht die ganze Tradingkarriere lang begleiten …

Du fragst: Woher weiß ich, dass ich bei mir die richtigen Denkmuster ausgemacht habe?

Antwort: Woher weißt du, dass du wach bist, wenn du morgens aufwachst?

Michael Voigt 

 

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